Wenn du aus starren Betonmauern ein lichtdurchflutetes organisches Haus bauen möchtest, dann wird das nix. Ebenso schwer wird es, wenn du davon träumst ein lebendig-individuelles Lebensmodell mit mehr Freiheit, Sinn, Leichtigkeit und emotionaler Tiefe für dich zu erschaffen und dabei (gedanklich) auf altbewährtes Baumaterial zurückgreifst. Weil es vertraut ist und weil man das eben schon immer verwendet. Dieses Baumaterial steht für mich symbolisch für den Wert „Sicherheit“. „Das eigene Lebensmodell leben“ ist mein Herzenswert. Ich lese viel darüber. Ich denke noch mehr darüber nach. Reflektiere (mich). Ziehe Schlüsse und verwerfe sie wieder. Stelle neue Hypothesen auf. Aber vor allem versuche ich jeden Tag mein eigenes (ausbaufähiges) Lebensmodell zu gestalten und bildlich darin zu leben. Immer wieder stürzt etwas ein *aha, die Leichtbauweise* oder platzt etwas *war ja klar: Luftschloss*. Ich möchte dennoch in keinem anderen Modell zur Untermiete leben.

„Ich möchte auch mein eigenes Ding machen. Das tun, was ich liebe. Mich lebendig fühlen […], aber nein, die Sicherheit meines/r unbefristeten Vertrags [Gehalts/Vierwände/Umfelds] kann, möchte, will ich nicht loslassen“. Das ist oft die verbalisierte Reaktion auf Veränderungswünsche. Hamsterradfalle. So wird das nichts. Kann ja auch nicht. S.o.

Das ist kein Agro-Aufruf zu „Weg mit der Sicherheit“! Hinter Wut und Härte stecken oftmals Traurigkeit oder verletzte Gefühle. Mich macht es traurig, dass so viele Ideen, Werte und Bedürfnisse ungelebt bleiben, weil sie scheinbar nicht auf Sicherheit aufbauen.

Sicherheit ist wichtig. Sehe ich auch so! Das ist mir wieder bewusst geworden, als ich gestern auf den Aufruf gestoßen bin, das Buch von Kai-Eric Fitzner zu kaufen, um damit seine Familie zu unterstützen. Kai-Erich Fitzner liegt im Koma – seine Zukunft ist leider ungewiss. Er, seine Frau und die drei Kindern sind finanziell nicht abgesichert. Kai-Erich Fitzner hatte sich gerade selbständig gemacht. Seine Frau steckt mitten im Zweitstudium. Das ging direkt in mein Herz. Es fällt mir unglaublich schwer zuzugeben, dass mir trotz dieser Gefühle, folgender Satz durch den Kopf schoss: „Selbst schuld, wenn man keine Rücklagen bildet“. Ich bin über „meinen“ Satz erschrocken! Weil er nicht meiner Wertewelt entspricht. Und dennoch ist er in mir. Seit meiner Kindheit in einem Elternhaus, in dem Sicherheit die höchste Wertigkeit hatte. Darauf möchte ich mein Lebensmodell und damit meine Wertewelt aber nicht mehr aufbauen. Diese scheinbar wie in Stein gemeißelten Werte und Gedanken machen es mir und scheinbar vielen anderen auch schwer, ein individuelles Lebensmodell zu leben – obwohl beim Gedanken daran jede Körperfaser signalisiert: Das ist es! Viele verharren – wie einbetoniert vor lauter Sicherheitsverlustängsten und im Stimmengewirr von aus- und unausgesprochenen Sätzen, die ihren Ursprung in der Gesellschaft, vorherigen Generationen und damit unserer Kindheit haben.

Und genau deswegen ist es wichtig, sich für sich ganz persönlich mit dem Thema Sicherheit zu beschäftigen. Nicht nur, indem man auf das Bankkonto schaut. Sondern, indem du dich zudem reflektiert, offen und neugierig dem Thema stellst: Was bedeutet (für dich persönlich) Sicherheit? Sicherheit steht oft für Geld und Besitz. Oft stecken dahinter auch Bequemlichkeit oder Ängste, ausgrenzt zu werden, wenn man nicht so ist/funktioniert, wie man soll. Sicherheit kann aber zum Beispiel auch Vertrauen bedeuten. Vertrauen, dass Geld nicht die einzige Währung ist, sondern jeder Einzelne das der Welt gibt, was er hat und dafür das zurückbekommt, was er braucht. [Das Buch ist gekauft/Geld gespendet].

Das Buch von Kai-Erich Fitzner ist innerhalb von 24 Stunden nach dem Aufruf auf Platz 1 der Amazon- Bestseller-Liste gelandet. Alle Unterstützer geben hier Sicherheit in Form von Geld, aber auch in Form des Gefühls: Ihr seid nicht allein! Die Geschichte von Kai-Erich Fitzner berührt mich, weil sie für mich auch Sinnbild ist, dass es möglich ist, individuelle Lebensmodelle aufzubauen, deren Basis (noch) nicht die (finanzielle) Sicherheit ist und die dennoch starke Stützen habe. DANKE!

P.S.: Den Link zur Unterstützungsseite für Kai-Erich Fitzner findet ihr hier.

P.P.S.: Ein möglicher erster Schritt auf dem Weg zu dem, was du wirklich willst kann also sein: Durchleuchte das Baumaterial „Sicherheit“ einmal für dich persönlich – mit Muße, aus einer anderen Perspektive, im Austausch mit anderen, im Genuss des Wechselbads der Gefühle, im Wald oder oder oder.

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